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Mit einiger Erfahrung in der Arbeit von Nicht-Regierungs-Organisationen (nach einem halbjährigen Europäischen Freiwilligendienst und der Arbeit bei verschiedenen kleineren und größeren polnischen Organisationen) entschloss ich mich nach dem Abschluss meines Studiums in Soziologie nach Deutschland zu fahren und dort zu erforschen, wie man in einer deutschen Organisation arbeitet. Mein Wahl war einfach – ein Praktikum bei der Aktion West-Ost in Düsseldorf.
Warum? Vor allem, weil ich einige Engagierte dort kannte – ich hatte sie während des wunderbaren Spielplatzbau-Projekts Panda 2008 kennengelernt, das von der Aktion West-Ost und Trampolina in Polen organisiert worden war. Mein zweimonatiges Praktikum wurde mit Mitteln des Deutsch Polnischen Jugendwerks (DPJW) gefördert. Die Endsendeorganisation war selbstverständlich Trampolina.
Am Anfang beschloss ich, die Struktur und die Geschichte der Aktion West-Ost kennenzulernen. Ein paar Stunden verbrachte ich damit Satzungen und Ordnungen zu lesen (selbstverständlich auf deutsch – und meine Deutschkenntnisse kann man sicherlich nicht als hervorragend bezeichnen). Ich erweiterte meinen Wortschatz, der nun aus vielen langen zusammengesetzten Substantiven besteht; die Struktur der Aktion West-Ost habe ich aber bisher immer noch nicht ganz durchschaut. Erst die Teilnahme an der Bundesausschusssitzung in Fulda ermöglichte es mir, diesen komplizierten Sachverhalt zu verstehen. Um meiner großen Freude über das Gelernte Ausdruck zu verleihen, übersetzte ich zahlreiche „Grundlagentexte“ ins Polnische und jetzt können alle Polnischsprachigen, die dazu Lust haben, die Struktur der Aktion West-Ost kennenlernen (bitte hier klicken).
Inhalt meines Praktikums war aber nicht nur das Kennenlernen von Strukturen und Finanzierungsmöglichkeiten (hier möchte ich erwähnen, dass die Aktion West-Ost zu einem großen Maße vom Kinder- und Jugendplan (KJP) profitiert – so etwas gibt es leider überhaupt nicht in Polen). Die 2 Monate in Düsseldorf waren auch mit der täglichen Arbeit im Büro gefüllt. Ich lernte, wo die Poststelle ist, wie bestellte Publikationen verschickt werden, wie die Buchhaltung funktioniert, wie man DPJW-Anträge ausfüllt, wer im Jugendhaus arbeitet und was die Menschen hier eigentlich machen, und dann noch, wo der Kaffeeautomat ist.
Ein weiterer Bereich, in dem ich Erfahrungen sammelte, war die Vorbereitung des diesjährigen Spielplatzbauprojekts Panda – die nächste Koproduktion der Aktion West-Ost und Trampolina, diesmal in Belarus. Nach einem erfolgreichen Vorbereitungstreffen für ein Vorbereitungstreffen (ja, ja, die Deutschen planen viel) habe ich zusammen mit der EVS-Freiwilligen Alicja KÄ™dzierska viel grafisch gearbeitet – wir haben das Logo, den Einladungs-Flyer, das kleine Bauwörterbuch und vieles andere ausgearbeitet. Ja, jetzt weiß ich was eine "Schruppscheibe" und "Kanthölzer" auf Deutsch sind. Wir haben auch viele kleinere Übersetzungen für das Panda Projekt in Belarus gemacht.
Die Teilnahme an einem EVS-Projekt oder einem Auslandspraktikum bedeutet aber für mich nicht nur Arbeitserfahrung zu sammeln. Es geht ja auch um das Kennenlernen des Landes und dessen Traditionen. Warum also nicht das Eine mit dem Anderen verbinden? Auf diese Idee bin ich zusammen mit Alicja gekommen, als wir einkaufen gingen. Damals sahen wir unglaublich viele Karnevalskostüme. Karneval wird in Düsseldorf (und im nahe gelegenen Köln) „die fünfte Jahreszeit“ genannt und wild gefeiert auf den Straßen und in Bars – ganz anders als in Polen. Deshalb beschlossen wir, unser Wissen zu diesem Thema zu erweitern und das Wissen weiterzugeben – im Form einer Fotoausstellung, die Alicja im Rahmen ihres EVS-Projekt in Polen organisieren wird. Wir lasen viele Bücher und Artikel, um uns theoretisch vorzubereiten. Aber die Hauptmethode unserer Recherche war die Teilnahme an Faschingsumzügen und die Beobachtung von wilden Fastnachtsgestalten. Wir nahmen an einer Karnevalssitzung teil und besuchten ein Karnevalsmuseum (ja, so etwas gibt es in Düsseldorf). Wir versuchten auf den Straßen zu feiern – das war aber etwas zu viel für uns. Viele Deutsche hier nehmen sich eine ganze Woche frei, um zu feiern! So viele Kräfte hat man wahrscheinlich nur, wenn man in Nordrhein-Westfalen geboren ist! Ich hatte aber die Möglichkeit an einer sehr netten Feier im Jugendhaus teilzunehmen – zusammen mit anderen Mitarbeiter/ -innen fingen wir, der Tradition folgend, schon um 11 Uhr 11 an Altweiberfastnacht mit dem Feiern an. Am Karnevalsmontag besuchten Alicja und ich den Rosenmontagszug und sammelten auch ein paar Kamellen. Selbstverständlich bemerkten wir auch die etwas dunkleren Seiten des Karnevals – Müll auf den Straßen, Gewalt und Alkoholmissbrauch. Wir haben viele Bilder gemacht und die gewählt, die am besten die Karnevalstraditionen zeigen. Die Ergebnisse unserer Arbeit werden im Juli 2009 in Polen zu sehen sein (nähere Informationen werden sicherlich bald auf die Aktion West-Ost Homepage zu finden sein). Mein Engagement in diesem Karnevalsprojekt hat es mir ermöglicht einige deutsche Traditionen sehr nah zu erleben.
Ein letzter Punkt, über den ich hier noch schreiben will, sind selbstverständlich alle neuen und außergewöhnlichen Menschen, die ich hier kennengelernt habe – die Freiwillige Alicja KÄ™dzierska, die Vorstandsmitglieder, die VertreterInnen der Mitgliedsverbände und die MitarbeiterInnen des Jugendhauses, mit denen ich viel Zeit auch nach der Arbeit verbracht habe (Inline-Skating am Rheinufer, Pizzabacken, die Gegend besichtigen…) – allen diesen Leuten will ich hiermit ein herzlichen „Dankeschön“ schicken – u.a. wegen Eurer Wärme und Herzlichkeit war mein Praktikum in der Aktion West-Ost so ein großer Erfolg. |