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EVS - Weihnachten in Masuren
Image Die polnische Tradition verlangt, dass man am Heiligen Abend, bevor man sich an den Tisch setzt, aus dem Fenster schauen soll, um zu checken, ob am Himmel schon ein Stern aufgetaucht ist. Am Himmel über Kętrzyn gab es eine Menge Sterne, als ich mit meiner Familie am traditionell gedeckten Tisch saß. Unter die Tischdecke hatten wir Heu gelegt und auf dem Tisch gab es natürlich nicht nur zwölf Speisen, sondern auch die Oblate für alle. Nach dem Tod meines Opas musste mein Vater nun eine neue Pflicht übernehmen: die Speisen segnen, mit dem Gebet „Vater Unser“ anfangen und Weihnachtswünsche aussprechen. Endlich konnten wir unsere knurrenden Mägen nach dem ganzen Fasttag beruhigen. Als erstes Gericht gab es „barszcz“(eine Rote- Beetesuppe) mit kleinen Teigtaschen. Dach war die Reihenfolge des Essens beliebig: Gemüsesalat, Fisch in allen möglichen Varianten: als Bulette, gebratener Hering, ausnahmsweise wurde auch der (von meinem Vater nicht so sehr geliebte) Karpfen zubereitet.

 

Es durfte aber auch an „bigos“ (DAS polnische Nationalgericht aus gedünstetem Sauerkraut mit Fleisch) nicht mangeln. Unsere Familie besitzt leider keine Gesangstalente, deswegen musste uns der polnische Radiosender „Trójka“ und die dort präsentierten polnischen Weihnachtslieder genügen. Die Verkostung von zwölf Speisen innerhalb eines Abendessens ist keine leichte Aufgabe, aber nachher kommt die Belohnung: die Bescherung! So ein Abend bedeutet nur Vergnügen. Nach so einem reichen Abendbrot knurrten unsere Bäuche nicht mehr aus Hunger, sondern von dem vielen Essen, deswegen muss man sich bisschen bewegen, also gingen wir zur „Pasterka“ (Christmesse). Das war eine Leistung, mit den eleganten Stiefeln auf dem total vereisten Bürgersteig! Aber dafür wurden wir erneut belohnt: wir sangen mit Blasorchesterbegleitung! Die Zeit zu Hause hieß für mich viel Vergnügen: Endlich durfte ich mich mal wieder um meine Steuererklärung kümmern. Vielleicht ist die Nutzung von Nahverkehr ökologischer (sicherlich ist es noch viel umweltfreundlicher und gesünder zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren), doch manchmal macht Autofahren unglaublich viel Spaß. Eine Freiwillige kann sich leider kein Auto leisten, aber in meinem Fall ist das besser. Ich fahre zwar gerne, bin aber keine geborene Autofahrerin und sicherlich schon an der zweiten Kreuzung in Düsseldorf würde es zu einem sehr nahen „Kontakt“ mit einem anderen Auto kommen…


Alle Feste und Feiertage haben eine gemeinsame Eigenschaft: Die Zeit verfliegt zu schnell. Nach Weihnachten kommt natürlich der nächste wichtige Abend im Jahr: der Silvesterabend. Wie jedes Jahr ging ich zu keinem Ball. Statt eines Kleides hab’ ich warme Schuhe, warme Mütze und Handschuhe angezogen um mich an einem Lagerfeuer noch aufzuwärmen. Gemeinsam mit meinen Freunden haben wir einen gemütlichen Abend in einem Dorf bei Kętrzyn organisiert. Nach dem Gulasch im Lagerfeuerschein tobten sich einige von uns auf Schlitten aus. Das war zwar keine große gemeinsame Schlittenfahrt, aber auch Erwachsene sollen sich ab und zu wie kleine Kinder fühlen. Obwohl jemand meinte, dass in der Gegend ein Wolf gesehen worden sei, hatten wir keine Angst. Statt eines Wolfes bemerkten wir in der Dunkelheit ein anderes Tier, einen Fuchs. Die nächsten Stunden vertrieben wir uns spielend und tanzend zu Hause (um Mitternacht spielte Trójka die Polonaise, die wir tanzten!)

Image Als ich am nächsten Tag nach Kętrzyn fuhr, habe ich zwar keine Eichhörnchen gesehen, stattdessen jedoch eine Rehherde, die im Schnee spielte. Masuren besuchen bedeutet, mit der Natur in Kontakt zu treten und deshalb liebe ich es so sehr hierher zurückzukehren. Zum neuen Jahr habe ich noch eine kleine Weisheit: wie der erste Tag, so das ganze Jahr. Mein kommendes Jahr wird mit Sicherheit arbeitsreich, da ich an meinen ersten Tag in einem kleinen Geschäft bei der Wareninventur geholfen habe. Danach habe ich mit meinen Eltern ein hervorragendes Mittagessen genossen und deshalb nehme ich an, dass es mir in der kommenden Zeit an Gaumenschmausen und Genüssen nicht mangeln wird. :-)

 

 

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Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

 
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